19. Oktober 2021

Das Ende vom Kroko-Müll

Naturgemäß lag mir unser Kroko-Müll nach ein paar Tagen damit in den Ohren, dass es, der Kälte trotzend, wieder ins seichte Wasser wollte. Das sei schließlich sein bevorzugtes Element und im übrigen möchte es nicht mehr Kroko-Müll, sondern Krokodilly genannt werden, denn so sei es in der Reha von einer charmanten Kroko-Dame angesprochen worden, was ihm äußerst gut gefallen habe. Möglicherweise hat es auch deshalb mit dem Müll-Fressen aufgehört, dachte ich mir. Wie auch immer: Wer will schon gerne Kroko-Müll oder Sonstwie-Müll heißen? Aber bitte schön: eine aktuelle Botschaft wolle es den Menschen auf der kleinen Chemnitzbrücke schon bringen, so eine vom Weihnachtsfrieden vielleicht. Die Tage vergingen mit Ideen-Hin-und-her-Wälzen, Planen, Einkaufen und Handwerkeln. Haushalt und Broterwerb liefen so nebenbei. Am 6.12. war es soweit: Krokodilly trug voller Stolz einen kleinen bunten Weihnachtsbaum auf dem Rücken mit einem Nußknacker als Lotsen und Mahner davor. Die Weihnachtszipfelmütze zwischen den Augen stand ihm sehr gut. Bestens gelaunt ließ sich Krokodilly die steile Böschung hinunter abseilen, und dann schwamm es wieder in seiner geliebten Chemnitz mit der Botschaft vom Weihnachtsfrieden auf dem Rücken. Die Passanten schmunzelten.

Guter Dinge überließen wir Krokodilly seinem Element. Wir freuten uns auf diese Begegnungen mit den Menschen auf der Brücke. Ein kurzes Innehalten, ein Nachdenken, ein spontanes Foto, eine Anregung, ein Gedankenaustausch, ein Mehr an Miteinander: All das können kreative Angebote im öffentlichen Raum auslösen und damit nicht nur das Stadtbild, sondern das Miteinander in unserer Stadt bereichern. Das soll nicht heißen, dass es in Chemnitz keine gibt, aber ohne eine achtsame Betreuung finden sie meistens nur wenig Beachtung oder eine unangemessene…

Am Abend des zweiten Tages nach seinem neuerlichen Stapellauf war Krokodillys Tummelfläche in der Chemnitz leer. Seine am Chemnitzgrund verbliebene Halteleine verlief bogenförmig zum linken Ufer. Oben auf der Brücke lag eine leere Bierflasche. Krokodilly war also gekidnappt worden und diesmal wohl erfolgreich. Ein bisschen traurig bin ich schon, dass Krokodilly so plötzlich verschwunden ist. Aber es gibt für mich Schlimmeres wie zum Beispiel den achtlos weggeworfenen oder zurückgelassenen Müll und, dass ich mich in meiner und in einigen anderen Gegenden meiner Stadt abends oft nicht mehr sicher fühle. Überlassen wir den öffentlichen Raum nicht zu sehr den Menschen, die unterwegs nicht auf Alkohol verzichten können oder wollen, sehr wohl aber auf Respekt für die Vorstellungen der anderen und für die Natur?

Sollten Sie Krokodilly irgendwo in einem Swimmingpool herumplanschen oder im Gelände lauern sehen, schicken Sie ihn bitte mit herzlichem Dank und mit besten Grüßen zurück an die kleine Chemnitzbrücke mit dem Angler ohne Angel. Wir freuen uns. 

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